Migration:

Was man nie vergessen kann. Erinnerungen vietnamesischer Bootsflüchtlinge. Rupert und Christel Neudeck

Peter Hammer Verlag 2017. 179 Seiten
ISBN: 978-3-7795-0578-5
19,90 Euro

Zwischen 1979 und 1986 konnte die Hilfsorganisation „Cap Anamur“ im Chinesischen Meer 35.000 Flüchtlinge auf ihrem abenteuerlichen Fluchtweg retten und über 11.000 von ihnen ein neues Leben in Deutschland ermöglichen. In diesem Buch erzählen einige von ihnen ihre Geschichten.

Echte, ehrliche Geschichten von Menschen, die ihre Familien, Freunde und Heimat zurückließen, um ihr Leben auf dem Meer zu riskieren, in der Hoffnung, in der Ferne ein Leben in Freiheit und Frieden führen zu können. Obwohl ihre Geschichten vor 35 Jahren passierten, sind sie hochaktuell wie nie und ein Abbild der Gräueltaten, die Flüchtlinge heutzutage ebenso durchleben.

Judith Schumacher


Nur wenn du allein kommst. Eine Reporterin hinter den Fronten des Dschihad. Souad Mekhennet

Beck  2017. 383 Seiten
ISBN 978-3-406-71167-1
24,95 Euro

Als Investigativ Reporterin der Washington Post u.a. versucht S. Mekhennet von 2003 bis 2016 hinter den Fronten in Afrika, Asien aber auch im Westen dem Auslöser für Hass und damit verbundener Gewalt auf die Spur zu kommen. Sie zeichnet dabei nicht nur die politischen Hintergründe sondern auch die unsäglichen Verflechtungen von Religion und Politik und die vielen subtil ablaufenden Beziehungen der unterschiedlichsten Staaten zu- und gegeneinander auf. Geprägt von frühkindlichen Erfahrungen an der Seite ihrer selbstständigen Großmutter in Marokko, dem Gastarbeiterstatus ihrer Eltern (Türkin und Marokkaner), der Ausbildung in Deutschland erlebt sie in der eigenen Familie das friedliche und liebevolle Zusammenleben beider islamischer Glaubensrichtungen.

Auch wenn sich diese Fakten sich wie ein Krimi lesen, vermeidet das Buch alles Reißerische und vordergründig Spektakuläre. Eine sehr erkenntnisfördernde und lohnenswerte Lektüre, die aber auch die eigene Meinungsbildung fordert und nichts überstülpt.

Ursula Neumann


Das neue Leben. Anna Galkina

Frankfurter Verlagsanstalt 2017. 222 Seiten
ISBN: 978-3-627-00242-8
20,00 Euro

Nastja, die Ich-Erzählerin, Anfang 20 und ihre jüdisch-russische Familie kommen Ende der 1990-iger Jahre als Kontingent-Flüchtlinge über Lettland nach Deutschland. Im Grunde ist das Leben in der neuen Heimat nicht so viel anders als in der Sowjetunion. Es besteht überwiegend aus Warten: beim Arbeitsamt, beim Sozialamt, auf eine eigene Wohnung, auf den Sprachkurs. Doch im Laufe der Zeit gewöhnt man sich an alles und die Familie beginnt sich in ihrem Alltag einzurichten.

Der Roman gibt einen interessanten Einblick, wie es ist, wenn man in ein Land kommt, dessen Sprache und Gepflogenheiten unbekannt sind und man sich die Realität erst erschließen muss. Empfohlen für alle Büchereien.

Monika Kaless


Ahlam oder Der Traum von Freiheit. Marc Trévidic

Kindler 2016. 285 Seiten
ISBN: 978-3-463-40678-7
19,95 Euro

Der französische Künstler Paul Arezzo sucht Entspannung und Inspiration in Tunesien. Obwohl ihm als Fremder viel Unmut entgegenspringt, freundet er sich mit dem Fischer Farhat an. Paul ist fasziniert von Farhats Kindern Issam und Ahlam und fördert ihre künstlerischen und musikalischen Fähigkeiten. Doch während Ahlam an der modernen westlichen Lebensweise Gefallen findet, gerät ihr Bruder in die Kreise von religiösen Fanatikern. Als Paul und Ahlam sich ineinander verlieben, spaltet das die Familie und birgt tödliche Gefahren.

Ein interessanter Roman, der die Zerissenheit des Landes und die jüngste Geschichte Tunesiens anhand eines Familiendramas thematisiert. Lesenswert, selbst wenn man die Thematik nicht kennt.

Judith Schumacher


Esther aus Afghanistan & Emil aus Deutschland. Elinor Sima und Susie Bauer

Edition Bad Wimpfen 2017
ISBN: 978-3-9814691-5-8
18,90 Euro

Das Buch von Elinor Sima erzählt zwei Geschichten von Krieg, Flucht und Neuanfang. Esther muss mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland fliehen, dort ist ihr alles so fremd. Auch Emil musste vor dem Krieg fliehen, allerdings spielt seine Geschichte im zweiten Weltkrieg. Doch Musik verbindet die beiden, über Sprachen und Zeit hinweg.

Das wunderbar illustrierte Bilderbuch ist ein Wendebuch, das man von vorne und von hinten starten kann. Die Geschichten enden je in der Mitte des Buches, dort wird auch gezeigt, wie die beiden miteinander verbunden sind.

Ein schönes Buch für Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen geeignet, das uns zeigt, dass Deutsche und Flüchtlinge mehr gemeinsam haben als vielleicht gedacht.

Judith Schumacher


Weg sein – hier sein. Texte aus Deutschland. Sherko Fatah

Secession Verlag für Literatur 2016. 251 Seiten
ISBN: 978-3-905951-97-4
24,00 Euro

In diesem Band schreiben 19 Autoren aus Syrien, aus dem Jemen und Iran, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind, von ihrem Leben im Krieg und ihrer Existenz in einem fremden Land mit ungewohnter Umgebung.

Er beinhaltet Gedichte, Kurzgeschichten und Erzählungen, die in ihren Heimatländern noch nicht publiziert werden konnten. In den übersetzten Texten findet sich ein Stück verlorener Alltag und damit auch eine verborgene Perspektive, die sich dem literarisch interessierten Leser in vielfältiger Form erschließt.

Jörg Kruth

Eine mehrsprachige Ausgabe mit jeweils den Originaltexten und ihrer Übersetzung gibt die Bundeszentrale für politische Bildung heraus.


Am Freitag sehen wir uns wieder. Karin Koch

Peter Hammer Verlag 2017. 207 Seiten
ISBN: 978-3-7795-0569-3
15,90 Euro

Die 14-jährige Juni trifft in der U-Bahn auf Sahal, der in der Schule etwas über seine Flucht aus Somalia erzählt hat. Sie ist fasziniert von dem Jungen, folgt ihm und kommt mit ihm ins Gespräch. Langsam fasst Sahal Vertrauen und erzählt Juni, wie er nach Deutschland gekommen ist und warum er nicht mehr im Flüchtlingsheim lebt, sondern sich auf dem Friedhof versteckt. Juni will unbedingt helfen und wird dabei selber zur Getriebenen in der eigenen Stadt. Dabei erfährt sie, wie grausam das Leben ohne Zuhause sein kann.

Eine spannende Geschichte um Flucht, Freundschaft und Hilfsbereitschaft, erzählt aus der Perspektive von Juni. Gerne empfohlen für junge Leser ab 13 Jahren.

Helene Schäuble


Wenn nachts der Ozean erzählt. Zana Fraillon

cbt 2017. 283 Seiten
ISBN: 978-3-570-16476-1
16,99 Euro

Subhi lebt in einem Flüchtlingslager, ja, er ist sogar dort geboren und kennt nur das Leben innerhalb des Stacheldrahtzauns. Nachts, wenn alle anderen schlafen, kommt der Ozean und bringt ihm Geschichten von seinem Vater, der noch auf der anderen Seite des Meeres ist. Eines Nachts steht die gleichaltrige Jimmie vor ihm, deren Mutter verstorben ist. Sie glaubt die Geschichten ihres Bruders über das gute Leben jenseits des Zaunes nicht. Sie freundet sich mit Subhi an und kommt immer wieder ins Flüchtlingslager, damit er ihr die Geschichten seiner Mutter vorlesen kann. Es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden.

Im Mittelpunkt dieser ergreifenden Geschichte über eine Kinderfreundschaft steht eine Thematik über verheerende Zustände in einem Flüchtlingscamp, wie sie wohl überall auf der Erde zu finden sein werden. Schwierig ist die Bestimmung einer Zielgruppe, wohl als Jugendbuch gedacht, doch eher für interessierte Erwachsene oder als Unterrichtslektüre empfohlen.

Helga Schwarze


Soweit wir wissen. Zia Haider Rahman

Berlin Verlag 2017. 704 Seiten
ISBN: 978-3-8270-1298-2
25,00 Euro

Im Mittelpunkt steht die Migrationsgeschichte des aus Pakistan stammenden Ich-Erzählers, der gerade seine Arbeit als Banker verloren hat und von seiner Frau verlassen wurde. Überraschend steht Zafar vor seiner Tür, der Kämpfer für das Gute. Beide sind ehemalige Studienfreunde aus gegensätzlichen Verhältnissen. Der Erzähler schildert Zafars Lebensgeschichte, reflektiert zugleich seine eigene und vermeidet damit einen Zusammenbruch. Es geht dabei auch um wichtige Schlüsselthemen der Gegenwart wie Politik, Philosophie oder Finanzkrisen.

Viele Ereignisse und Fragen der Weltpolitik werden am Beispiel einzelner dargestellt. Detaillierte Charaktere beleben die sachlich orientierte, rationale Erzählung. Der umfangreiche Debütroman hat kaum Dialoge, bedarf konzentrierten Lesens und ist keine leichte Kost.

Sonja Fuchs


King kommt noch. Andrea Karimé

Peter Hammer Verlag 2017. 36 Seiten
ISBN: 978-3-7795-0568-6
9,90 Euro

Ein Junge kommt nach einer strapaziösen Flucht in einem neuen Land an. Hier ist alles anders und so fremd. Er vermisst King, seinen Hund. Doch die Mutter verspricht ihm, King kommt noch und so wartet er sehnsüchtig auf seine Ankunft und hofft, dass der Hund bald der Weg zu ihm findet Über ein Windtelefon (Papiertüte) warnt er, welche Gefahren und Wege der Hund meiden soll. Als eine Nachbarin ihm eine Taschenlampe schenkt, kann er endlich wieder lesen und entdeckt King in einer der Geschichten. Nun wird er sicherlich bald kommen.

Eine ruhige, poetische Geschichte, die mit verhalten kolorierten Zeichnungen von Jens Rassmus versehen ist. Erstleser sollten bei der Lektüre begleitet werden.

Ju1, ab 7 Jahren

Helga Schwarze


« Ältere Beiträge