Eis schmeckt in jeder Sprache

Stolz präsentieren die Kinder der DaZ-Gruppe ihre selbstgebastelten Stabpuppen den rund 70 Zuschauern. Nun führen sie die Geschichte „Wer hat mein Eis gegessen?“ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Rania Zaghir auf, das es in 19 Sprachen gibt. Die letzten vier Wochen haben sich die 20 Kinder der Gebrüder-Grimm-Schule in Neuss-Erfttal auf diesen Tag vorbereitet. Die Aufführung ist der Abschluss der Malwerkstatt Deutsch, die jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Neuss-Erfttal durchgeführt wird. Das Projekt ist für Kinder ohne oder nur mit geringen Deutschkenntnissen und bringt auf spielerische Art Freude am Lesen und Deutschlernen.

In der Vorbereitung haben die Kinder das Buch gemeinsam auf Deutsch und in ihrer Muttersprache gelesen und Bilder gezeichnet, die im Foyer der Grundschule ausgestellt werden. In der zweiten Hälfte der Malwerkstatt haben die Kinder die Stabpuppen gebastelt und die Geschichte eingeübt. Nun stehen sie aufgeregt vor ihren Eltern, Geschwistern und Lehrern und singen zur Begrüßung das Lied „Hallo, Hallo, guten Morgen!“ in 12 verschiedenen Sprachen, stellen sich in einem zweiten Lied vor und berichten, aus welchen Ländern sie kommen. Dann dürfen die kleineren Kinder mit ihren Puppen die Geschichte vorspielen, während der elfjährige Omar aus Syrien die Geschichte auf Deutsch vorliest. Die größeren Kinder, zu denen auch Omars neunjährige Schwester Gina gehört, tragen das Stück in ihren Muttersprachen vor und weil dieses Jahr so viele verschiedene Nationalitäten vertreten sind, wird das Stück gleich noch zweimal gespielt. Im Publikum sieht man den Stolz und die Freude in den Augen der Eltern, wenn die Heimatsprache ihrer Kinder erklingt. Zum Finale stellen sich alle Kinder noch einmal auf und singen zwei weitere Lieder. In den nächsten drei Tagen werden die Kinder das Stück noch in allen Klassen der Grundschule vorspielen und zum Abschluss gemeinsam Eis essen gehen.

Aisha, die Mutter von Omar und Gina, erzählt mir nach dem Stück, wie sehr sie sich freut, dass ihre Kinder so schnell so gut Deutsch lernen können, obwohl sie erst vor eineinhalb Jahren nach Deutschland gekommen sind. Während Omar und seine Schwester Gina sich an dem Kuchenbuffet erfreuen, das von den Eltern der DaZ-Kinder mitgebracht wurde, betrachtet die Mutter glücklich die Fotos der fünf Vorbereitungsvormittage, die in einer Diashow den Nachmittag über gezeigt werden.

Text und Foto:
Judith Schumacher