Weihnachten in aller Welt

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Foto: Helga Schwarze

Unterricht mal ganz anders erlebten die Viertklässler der Gebrüder Grimm Grundschule Neuss-Erfttal am Freitag, dem 9. Dezember. Die Evangelische Öffentliche Bücherei Neuss-Erfttal hatte die Darmstädter Kinderbuchautorin Ilona Einwohlt zur Veranstaltung „Wir feiern Weihnachten – Was feiert ihr?“ eingeladen, um aus ihrem Weihnachtsbuch „Advent, Advent, die Bude brennt“ zu lesen. Zudem waren Mütter der anwesenden Kinder gekommen, um zu berichten, wie in ihren Heimatländern Weihnachten und andere große Feste gefeiert werden. Dabei reichte die Spannbreite von Italien und der Türkei über Kroatien bis nach China. Als besonderes Highlight hatten die Eltern Weihnachtsplätzchen und Kekse aus ihren Ländern mitgebracht.

Gespannt schauen 54 Augenpaare auf die unbekannte Frau, die sich heute in ihr Klassenzimmer gewagt hat. Es ist Ilona Einwohlt, die berühmte Kinderbuchautorin, die gekommen ist, um aus ihrem Buch „Advent, Advent, die Bude brennt“ zu lesen. Statt Mathe und Sport gibt es heute etwas vorgelesen und Plätzchen. Das Buch ist eine Adaption der Weihnachtsgeschichte und erzählt von Luca und seiner Familie, denen kurz vor Weihnachten die Wohnung ausbrennt und die nun eine Bleibe für Weihnachtstage finden müssen. Auf der Suche nach einer Herberge klappern Luca, die schwangere Mutter, die nervige große Schwester und der Papagei Bruder Jakob Familie und Bekannte ab. Doch auf Dauer können sie nirgendwo bleiben. Zum Glück gibt es da noch Lucas Freunde, die Zwillinge Ibi und Mayla. Die feiern mit ihrer syrischen Familie zwar selbst kein Weihnachtsfest, haben aber die entscheidende Lösung und so können Luca und seine Familie doch noch ein schönes Weihnachtsfest erleben. Immer wieder unterbricht Einwohlt ihre Lesung, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und diese sind aufmerksam und begeistert, auf jede Frage schießen mindestens zehn Finger in die Höhe. Dass die Kinder gerne über sich und ihre Weihnachtstraditionen sprechen zeigt sich auch im zweiten Teil der Veranstaltung.

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Foto: Helga Schwarze

Stolz präsentieren zwei der Teilnehmer, Max und Tobias, mir ihre Schätze: Jeder hält einen großen Keks in der einen Hand und ein von Ilona Einwohlt handsigniertes Lesezeichen. In der Pause dürfen sich die Kinder auf das Kuchen- und Plätzchenbuffet stürzen. Neben Gewürzkuchen und deutschem Spritzgebäck haben die Mütter Spezialitäten aus ihren Ländern mitgebracht, zum Beispiel französische Mandelkekse und Plätzchen aus China, deren Name zwar nicht übersetzbar ist, die aber herrlich knusprig nach Pinienkernen schmecken. Anschließend dürfen nun die Mütter berichten, wie sie als Kinder Weihnachten erlebt haben oder welche anderen große Feste es in ihrer Religion gibt. Wie überrascht die Kinder sind, dass in selbst in europäischen Ländern wie Italien, Kroatien und der Türkei so ganz anders gefeiert wird. Besonders geschockt sind sie, als sie hören, dass viele Mütter als Kinder weder Geschenke noch Adventskalender hatten. Und plötzlich recken sich alle Finger in die Höhe. Jeder möchte nun erzählen, wie bei ihm Weihnachten gefeiert wird oder welche anderen Feste und Traditionen es gibt. So erfahren wir, dass die Kinder in anderen Ländern oft erst an Silvester oder am 6. Januar Geschenke bekommen und dass Geld an den Weihnachtsbaum gehängt wird oder die Kinder erst Gedichte oder Lieder vortragen müssen, um ihre Geschenke zu erhalten. Weil jedes Kind so viel zu erzählen hat, vergeht der Vormittag im Flug und wo sonst alle rennen, um schnell nach Hause zu kommen, sind die Kinder heute fast enttäuscht, dass sie die Schule verlassen müssen.

Judith Schumacher